Hurra, hurra, es ist endlich da. Das erste Album von Paulina Pank. Und ein richtiger Langspieler ist es geworden. Während viele Bands inzwischen eigentliche EP-Formate als Alben deklarieren, geht das Dresdner Duo den klassischeren Weg und wartet mit ganzen 12 Liedern und einem Intro auf.

Die beiden Vorabsingles „Paulinadrama“ und „Miss Pank“ zeigten bereits, dass die Erfolgsformel der „Tatütata“-EP nicht einfach wiederholt wird. Zwar basieren die meisten Lieder auf den üblichen Grundzutaten, jedoch geht es insgesamt weitaus ambitionierter zu. Das verleiht den Liedern einerseits mehr Tiefe, andererseits fällt das Material sehr vielseitig aus. Man könnte meinen, dass die beiden aus dem NDW-Korsett ausbrechen wollen, das ihnen anhand ihres Debüts häufig aufgedrückt wird.

Mit der „Viertelschau“ und der Bandhymne „Paulinadrama“ wird anknüpfend an das dem Album vorangegangene Promo-Hörspiel „Der Miss Pank Mythos“ der Kontext eines von permanenten Unruhen geplagten Dresdens geschaffen, in dem sich die in den Texten behandelten Themen abspielen. Fans der ersten Stunde werden den ein oder anderen bekannten Charakter wiederfinden. Klar ist jedoch, Paulina Pank haben alle Strippen in der Hand und bestimmen wo es in den insgesamt fast 48 Minuten langgeht. „Romantik“ baut sich im Refrain mit mehreren Klangschichten riesengroß auf und wirkt entsprechend opulent.

„Miss Pank“ ist ein unglaublich tanzbarer Synthie Punk Banger und gerade, wenn man denkt es geht nicht mehr besser, nimmt ein echtes Drumkit den Platz des Lo Fi Drumcomputers ein und über einer Schrammelgitarre geben sich Valy And The Vodkas mit ihren wunderbaren Stimmen die Ehre. Ein unverschämt gutes Feature, das man so wohl nicht auf dem Schirm hatte. In „Funkelfix“ werden negative Demoerfahrungen über Synthpop zu einem weiteren tanzbaren Feuerwerk verarbeitet. Ausnahmsweise bekommen mal nicht Polizist*innen, sondern die eigenen Reihen ihr Fett weg. Die punkigen „Rechts vor links“ und „Ist Luisa hier?“, sind stilistisch noch recht nah am Frühwerk und entfesseln meisterhaft und schmerzlich zugleich die Kraft der Provokation durch Einnahme einer ironisch-sarkastischen Perspektive.

Dem schließt sich ein experimenteller Block an. Der Quasi-Titeltrack „Das Problem“ breitet eine elektronisch-synthetische Klanglandschaft aus und bietet höchstens eine abstrakte, interpretationsoffene Auflösung des Albumtitels. „Kein Fan“ rechnet mit einst musikalischen Idolen ab und in „Witzig“ gibt man sich der Experimentierfreude gänzlich hin, drosselt das Tempo drastisch und gibt sowohl Raum für einen Spoken Word Part als auch ein Saxophon. Letzteres eingespielt von Hannes der Dresdner Jazzband Flosse. Ein weiteres gelungenes sowie unerwartetes Feature.

Zum Schluss gibt man sich dann auch noch sentimental und die Stimmung lässt sich durchaus mit der Non Album Single „Endless Summer“ vergleichen. Ja, „Null Uhr“ knüpft textlich sogar direkt an und führt die unglückliche Romanze thematisch fort. In „Schwerelos“ wird das Prinzip der Wegwerfgesellschaft in Verbindung mit zwischenmenschlichen Beziehungen und psychischen Erkrankungen gebracht. Was bleibt ist ein Abgesang auf die eigene Teilhabe an einer scheinbar unheilbar kranken Gesellschaft. Ein Gefühl, mit dem die Band wohl nicht alleine dasteht, wenn man sieht, wie sich oft der ganze Raum bei der Livedarbietung von „Egal“ geschlossen hinsetzt und von den schlafliedartigen Melodien in den Arm nehmen lässt.
Ein anspruchsvolles, ambitioniertes Werk ist es geworden. Die Lieder funktionieren durchaus auch für sich alleine, doch laden Paulina Pank dazu ein, sich Zeit zu nehmen und ihr Schaffen als Gesamtkunstwerk statt aus dem Zusammenhang gerissenen Teil einer Playlist wahrzunehmen. Wer sich die Mühe macht, wird sicherlich nicht enttäuscht.